Städtische Galerie Villa Zanders

Die europäische Tradition

Gorré findet eine Synthese zwischen musikalischer Empfindung und deren visueller Umsetzung durch das Gestische. Seine Bemühungen führen unabsichtlich in die Nähe asiatischer Kalligraphie, die ja auch letztlich von bildhaft-gegenständlichen Vorstellungen ausgeht und diese zu reinen Zeichen abstrahiert.

Gorrés Zeichensprache wurzelt jedoch eher in Traditionen europäischer Kunst. Seine gestisch-spontane Malerei, in der sich sowohl die Befindlichkeit des Künstlers als auch sein persönlicher Umgang mit dem Material als Prozess nachvollziehen lässt, hat ihre Wurzeln im Informel. Die dynamische Sicht der Materie und der Versuch, die verschiedenen Zeitebenen, also das Davor und das Danach miteinander zu verschränken, lassen hingegen an Ideen des Futurismus denken.

Gorré
Wilhelm Gorré, Bewegungskomposition V, 1980


Die Programmatik dieser beiden Strömungen übernimmt er allerdings nicht. Sie bilden für ihn allenfalls Ausgangspunkte, von denen aus man frei operieren kann. Und so gelangt Gorré auf einem langen Weg der kleinen Schritte zu einer Bildsprache, die ganz allein ihm eigen ist, zu einer Sprache, in der Musik und Tanz, Rhythmik und Gestik zu einer überzeugenden optischen Synthese verschmolzen sind. Hierin liegt seine künstlerische Leistung und der ästhetische Rang seiner Blätter.